Dem Horror des Ersten Weltkrieges sind etwa zehn Millionen Soldaten zum Opfer gefallen. Doch das Leid des Krieges machte auch vor jenen nicht Halt, die keine Uniform trugen, keinen Fahneneid geleistet hatten: Rund sieben Millionen zivile Opfer waren zu beklagen; und alleine auf Seiten der Briten kam zwischen 1914 und 1918 schätzungsweise eine Million Pferde ums Leben. Zwar war die Kavallerie längst nicht mehr kriegsentscheidend, doch in der Aufklärung, im Nachschubwesen und bei der Artillerie waren die geländegängigen, ausdauernden Begleiter für die Kriegsmaschinerie unverzichtbar. Gefährten vermittelt das Leid des Krieges auf schmerzlich anschauliche Weise durch die Erlebnisse des britischen Schlachtrosses Joey, das auf seiner außergewöhnlichen Odyssee über Fronten und Schlachtfelder die Leben all jener verändert und inspiriert, deren Wege es kreuzt.
In Dartmoor, einer zauberhaft schönen Hügellandschaft im Südwesten Englands, finden Albert (Jeremy Irvine) und das Fohlen Joey zueinander. Der Kleine wächst zu einem majestätischen Braunen heran, wird von Albert zugeritten - doch die Zeit unbeschwerter Ausritte hat ein jähes Ende: Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand im Sommer 1914 in Sarajewo löst den Ersten Weltkrieg aus. Es dauert nicht lange, bis auch Großbritannien mobil macht. Albert ist zu jung, um rekrutiert zu werden. Doch die Army braucht nicht nur Männer: Im ganzen Land werden Pferde angekauft und an die Front geschickt. Auch wenn es Albert das Herz bricht - er muss sich von seinem Freund trennen. Joey wird fortan unter Captain Nichols (Tom Hiddleston) dienen. Dessen Versprechen, Joey heil zurückzubringen, wenn es die Umstände auch nur irgendwie zulassen, klingt ehrlich. Trost ist es dennoch keiner.
Joey wird nach Frankreich verschifft - mitten hinein in unbeschreibliches Grauen, wo alte Kriegskunst auf moderne Massenvernichtung trifft: Reihenweise wird die britische Kavallerie von deutschem Maschinengewehrfeuer dahingerafft. Doch kaum ist Joey dem einen Schlachtfeld heil entkommen, findet er sich schon im nächsten Kreuzfeuer wieder. Im Laufe des Krieges wird das Ross auf beiden Seiten der Front seinen Dienst verrichten, immer neue Reiter tragen, Geschütze ziehen. Bis schließlich keiner mehr da ist, keiner mehr am Leben ist, der es führen würde. Joey irrt im Niemandsland zwischen den Fronten umher ...
Daheim in England hat sich Albert nie damit abgefunden, dass ihm sein Pferd genommen wurde. Und weiter darauf zu warten, dass die Army ihm Joey zurückbringen wird, hält er nicht länger aus. Albert reißt von zu Hause aus, um seinen Gefährten auf eigene Faust zurückzuholen.
Freunde für immer. Der Roman von Michael Morpurgo, erschienen 1982 und eigentlich ein Kinderbuch, wurde 2007 in London als Theaterstück adaptiert - und augenblicklich zum Renner. Welch Glücksfall, dass die emotionale Geschichte dieser außergewöhnlichen Freundschaft nun bei Regisseur Spielberg gelandet ist: Er verschmilzt Drama und Abenteuer, Leid und Hoffnung auf so einzigartige Weise, dass man schon ein Herz aus Stein haben müsste, um vom Schicksal von Joey und Albert ungerührt zu bleiben.
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